Was passiert, wenn Entwicklerinnen und Entwickler für eine Woche das Tagesgeschäft hinter sich lassen?
Bei Simovative bedeutet das: Wissen teilen, neue Technologien ausprobieren und voneinander lernen.
Einmal im Jahr kommen unsere Teams zur DevWeek zusammen: Eine Woche, die bewusst Raum für Themen schafft, die im Projektalltag oft zu kurz kommen.
Dieses Jahr standen unter anderem Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit und Barrierefreiheit im Mittelpunkt. Mindestens genauso wichtig war aber der Austausch zwischen den Teams, denn viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Alltag hybrid oder in unterschiedlichen Scrum-Teams zusammen.
Kirsten Franke, Head of Product, im Interview
Die DevWeek ist ein ungewöhnliches Format – eine ganze Woche raus aus dem Sprint-Alltag. Was war die Idee dahinter?
Eine DevWeek ist für uns kein Luxus – sie ist eine Notwendigkeit. Der Markt, in dem wir uns bewegen, verändert sich gerade dramatisch: Hochschulen stehen unter Druck, KI verändert die Softwareentwicklung fundamental und Themen wie Security und Barrierefreiheit werden regulatorisch immer relevanter. Wenn wir als Team nur im Tagesgeschäft arbeiten, verlieren wir den Blick für das Große. Diese Woche ist bewusst reserviert, um zu lernen, zu hinterfragen und gemeinsam zu wachsen.
KI war ein großes Thema der Woche. Eine McKinsey-Studie zeigt, dass nur 0,4% der Unternehmen wirklich messbare Effizienzgewinne durch KI erzielt haben. Überrascht dich das?
Ehrlich gesagt nicht. Ein schlechter Prozess, der mit KI digitalisiert wird, ist ein digitaler schlechter Prozess. KI ist kein Selbstläufer – sie braucht guten Kontext, klare Anforderungen und Menschen, die das Ergebnis wirklich verstehen und verantworten.
Security hatte einen ganzen Tag in der DevWeek – mit OWASP Top 10 und einem Gastvortrag. Warum so viel Raum für dieses Thema?
Weil academyFIVE ein System ist, das sensible Daten von Hochschulen und Studierenden verwaltet. Das ist eine hohe Verantwortung. Der Security-Tag war kein Pflichtprogramm, sondern ein klares Signal: Wir nehmen das ernst, wir bilden uns weiter und wir schützen die Daten unserer Kunden proaktiv.
Der externe Impuls hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie schnell echte Schäden entstehen können. Der MOVEit-Breach 2023 hat über 60 Millionen Menschen betroffen, ausgelöst durch SQL-Injection-Schwachstellen, die eigentlich bekannt und vermeidbar gewesen wären. Das war kein abstraktes Horrorszenario, sondern Realität.
Barrierefreiheit war ebenfalls ein eigener Slot. Welche Rolle spielt das für academyFIVE – und wo steht ihr heute?
Barrierefreiheit ist für uns kein Compliance-Thema, das wir abhaken – es ist eine echte Qualitätsfrage. Mit dem European Accessibility Act gilt seit Juni 2025 ein neuer gesetzlicher Rahmen auch für die Privatwirtschaft.
Was mich an unserem Ansatz stolz macht: Wir warten nicht auf den nächsten Audit am Ende des Entwicklungszyklus. Wir ziehen das Thema so weit wie möglich nach links – in die Designphase, in die Entwicklung, in automatisierte Tests. Wir haben Accessibility Champions in jedem Entwicklungsteam aufgebaut, prüfen Designs bereits bevor eine Zeile Code geschrieben wird und haben automatisiertes Testing in unsere CI-Pipeline integriert.
Der Slack Day gibt Entwicklern einen ganzen Tag ohne Tickets und Sprint-Ziele. Was entsteht dabei – und was sagt das über eure Kultur?
Es sagt, dass wir Vertrauen in unser Team haben. Die besten Ideen entstehen nicht im Sprint-Planning. Sie entstehen, wenn Menschen Raum haben, etwas auszuprobieren, das sie wirklich interessiert. Der Slack Day ist auch ein Signal nach innen: Wir sehen euch als Gestalter, nicht nur als Umsetzer. Was dabei entsteht, überrascht uns jedes Mal – und manchmal landet genau das später im Produkt.
Der Slack Day hat ja konkrete Ergebnisse hervorgebracht. Was ist dabei entstanden – und was sagt das über euer Team?
Was in dieser Woche entstanden ist, hat mich ehrlich beeindruckt. Ohne Tickets, ohne Sprint-Ziele hat unser Team Dinge gebaut, die zeigen, wo wir als Organisation hinwollen. Ein Team hat eine KI-Pipeline entwickelt, die Bug-Tickets automatisch analysiert, die betroffenen Bereiche identifiziert und Implementierungsempfehlungen inklusive Diagrammen generiert. Der Mensch behält dabei bewusst die Konzeptionshoheit.
Ein anderes hat einen DSGVO-konformen Story Sanitizer gebaut, der Tickets vor der KI-Verarbeitung lokal bereinigt, ohne dass Daten das Haus verlassen. Und ein weiteres Experiment zeigt, wie academyFIVE künftig per natürlichsprachlichem Prompt statt über eine klassische GUI bedient werden könnte.
Was mich dabei am meisten begeistert: Das sind keine theoretischen Konzepte. Das sind funktionierende Prototypen, gebaut in einem Tag. Das zeigt mir, dass wir als Team nicht nur über AI-driven Product Engineering reden – wir leben es bereits.
Was nimmst du persönlich als Head of Product aus dieser DevWeek mit?
Die Überzeugung, dass unsere stärkste Währung unser Domänenwissen ist. KI wird vieles verändern. Aber die Fähigkeit, komplexe Hochschulprozesse wirklich zu verstehen, sie in intuitive digitale Erlebnisse zu übersetzen und dabei die Menschen nicht zu vergessen, die täglich damit arbeiten – das ist es, was uns als Simovative ausmacht. Und dafür braucht es ein Team, das nicht nur liefert, sondern auch lernt. Genau das haben wir diese Woche getan.
Weiterentwicklung als fester Bestandteil
Die DevWeek schafft den Raum für unsere Entwickler:innen, sich bewusst mit den Themen auseinanderzusetzen, die die Softwareentwicklung nachhaltig verbessern und sich gezielt dazu auszutauschen.
Die Ideen und Erkenntnisse aus dieser Woche begleiten unsere Teams weit über die DevWeek hinaus und fließen auch in die Weiterentwicklung von academyFIVE ein.
Wer einen Blick auf die DevWeek des vergangenen Jahres werfen möchte, findet hier unseren Rückblick auf die DevWeek 2025.
Quellen: