Wie können Hochschulen Studienabbrüchen frühzeitig begegnen und Studienerfolg aktiv gestalten?
Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres Beitrags auf der 7. HELM Conference „Higher Education and the Labour Market“ am 23. und 24. Juni 2026 in Nürnberg. Die Konferenz wird vom IAB (Insitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) und DZHW (Deutsches Zentrum für Hochschulwissenschaft) alle zwei Jahre veranstaltet. Diskutiert werden unter anderem Fragen zu Studienzugang, Studienabbruch, Übergängen in den Arbeitsmarkt und zur Wirkung hochschulpolitischer Maßnahmen.
Für uns ist klar: Studienerfolgsmanagement gewinnt angesichts sinkender Studierendenzahlen, steigender Anforderungen an individuelle Begleitung und flexiblere Studienangebote sowie des zunehmenden Wettbewerbs um Studierende weiter an Bedeutung. Für Hochschulen ist es längst zu einem strategischen Erfolgsfaktor geworden.
Warum Studienerfolgsmanagement für Hochschulen immer wichtiger wird
Studienerfolgsmanagement bezeichnet die systematische und strategische Begleitung von Studierenden durch Hochschulen über den gesamten Student Lifecycle hinweg. Das Ziel ist es, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, Studienabbrüche zu reduzieren, die Studierbarkeit zu verbessern und die individuelle Entwicklung sowie einen erfolgreichen Studienabschluss zu fördern.
Denn ein positives Studienerlebnis stärkt nicht nur die Zufriedenheit der Studierenden, sondern auch die Attraktivität und Reputation einer Hochschule und trägt dazu bei, Studieninteressierte zu gewinnen.
Wie relevant dieses Thema ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut der BerO-Studie brachen 23 % der Abiturient*innen des Jahrgangs 2020/21 ein begonnenes Studium innerhalb von zwei Jahren ab. Jeder Studienabbruch ist nicht nur eine persönliche Herausforderung für die betroffenen Studierenden. Er bindet auch Ressourcen in Lehre und Verwaltung und beeinflusst Kennzahlen, die für Hochschulentwicklung, Qualitätssicherung und in vielen Bundesländern auch für die Finanzierung von Bedeutung sind.
Unser Beitrag auf der HELM Conference
Der Vortrag unseres Geschäftsführers, Torsten Fürbringer, trug den Titel:
„Integrating Machine Learning into Campus Management Systems for
Early Prediction of Student Dropout“
Im Mittelpunkt stand dabei nicht die KI selbst, sondern die Frage, wie sich datenbasierte Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Studienabbrüchen übersetzen lassen. Denn erst das Zusammenspiel aus Analysen, flexiblen Studienstrukturen und gezielten Unterstützungsangeboten macht Studienerfolgsmanagement wirksam.
Der Dreiklang im Studienerfolgsmanagement
Ein wirksames Studienerfolgsmanagement entsteht im Zusammenspiel von drei Bausteinen:
1. Data-driven Insights: Risiken frühzeitig erkennen
Der erste Schritt ist Transparenz. Hochschulen verfügen bereits über relevante Daten: Studienverläufe, Prüfungsdaten, Anwesenheiten, Leistungsentwicklungen oder Anmeldemuster. Entscheidend ist, diese Daten in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
Mit dem KI-gestützten academyFIVE Frühwarnsystem können gefährdete Studienverläufe frühzeitig identifiziert werden. Dabei werden Muster sichtbar, die im administrativen Alltag oft schwer zu erkennen sind.
Wichtig ist dabei: Datenschutz und Nachvollziehbarkeit wurden von Anfang an mitgedacht. Das bedeutet unter anderem:
- Nutzung anonymisierter Daten
- klare Datenhoheit der Hochschule
- transparente Modelllogik
- nachvollziehbare Qualitätsprüfung der Ergebnisse
So wird KI für Hochschulen zu einem unterstützenden Instrument für fundierte Entscheidungen.
2. Curriculum Development: Studienangebote weiterentwickeln
Studienerfolg hängt auch davon ab, wie Studienangebote gestaltet sind. Laut BerO-Studie gaben 51 % der befragten Studienabbrecher als Abbruchsgrund an, dass die Studieninhalte nicht zu ihren Interessen passen.
Wenn bestimmte Studienabschnitte besonders häufig zu Verzögerungen oder Abbrüchen führen, kann das ein Hinweis auf strukturelle Herausforderungen sein. Zum Beispiel auf zu starre Curricula oder fehlende Wahlmöglichkeiten. Daten können Hochschulen dabei helfen, solche Muster besser zu verstehen.
Mit academyFIVE lassen sich einerseits flexible Studienverläufe technisch abbilden. Dazu gehören unter anderem individuelle Studienpläne oder Priorisierungs- und Losverfahren für die Platzvergabe. Andererseits ist auch die Abbildung unterschiedlicher Studienmodelle (z. B. Vollzeit und Teilzeit) sowie ein integriertes Kapazitäts-, Lehrdeputats- und Raummanagement möglich.
3. Automated Student Support: Unterstützung gezielt anstoßen
Der dritte Baustein ist entscheidend: Erkenntnisse müssen in konkrete Unterstützungsmaßnahmen übersetzt werden. Wenn ein System erkennt, dass ein Studienverlauf gefährdet ist, stellt sich die nächste Frage: Was passiert dann?
Genau hier kommt automatisierte Prozessunterstützung ins Spiel. Mit dem integrierten Workflow-Manager in academyFIVE können Beratungs-, Kommunikations- und Betreuungsprozesse strukturiert angestoßen werden.
Beispiele sind:
- automatische Hinweise an Beratungsstellen
- gezielte Kommunikation an Studierende
- Termin- und Beratungsworkflows
- koordinierte Zusammenarbeit zwischen Studienberatung, Verwaltung und Fachbereichen
- Monitoring von Unterstützungsmaßnahmen
Warum eine integrierte Plattform entscheidend ist
Viele Hochschulen betrachten Studienerfolgsmanagement noch in einzelnen Bausteinen:
Datenanalyse hier, Beratung dort, Curriculum-Entwicklung an anderer Stelle, Kommunikation über separate Systeme. Das führt schnell zu Medienbrüchen, Abstimmungsaufwand und fehlender Transparenz.
Ein ganzheitlicher Ansatz braucht deshalb eine integrierte Systembasis, die alle Daten und Prozesse zusammenführt.
Mit unserer Softwarelösung academyFIVE können die drei zentralen Ebenen des Studienerfolgsmanagements realisiert werden:
- Datenbasierte Analyse und Frühwarnlogik
- An spezifische Bedürfnisse anpassbare flexible Abbildung von Studienstrukturen und Curricula
- automatisierte Workflows für Unterstützungsangebote und Kommunikation
Dadurch entsteht eine integrierte Plattform, die Hochschulen dabei unterstützt, Studienerfolg datenbasiert zu steuern und Studierende gezielt zu begleiten.
Wissenschaft und Praxis enger verbinden
Die HELM Conference hat erneut gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Die Hochschulforschung liefert wichtige empirische Erkenntnisse zu Studienabbrüchen, Bildungsentscheidungen, sozialen Ungleichheiten, Reformwirkungen und Übergängen in den Arbeitsmarkt.
Die Praxis zeigt, welche Anforderungen Hochschulen im Alltag bewältigen müssen: begrenzte Ressourcen, komplexe Prozesse, Datenschutz, steigende Studierendenerwartungen.
Wir haben den Anspruch Forschung, Technologie und Hochschulpraxis so zusammenzubringen, dass Hochschulen Studienerfolg aktiv, datenbasiert und verantwortungsvoll gestalten können.
Fazit
Wirksames Studienerfolgsmanagement entsteht erst, wenn Hochschulen Daten, Studienstrukturen und Unterstützungsprozesse zusammendenken.
Mit academyFIVE schaffen wir die technische Grundlage, um genau diesen Ansatz als Teil eines ganzheitlichen Campus Managements in Hochschulprozesse zu integrieren.
Weiterführende Links und Quellen:
- Lesen Sie hier mehr zum Thema Studienerfolgsmanagement.
- HELM-Conference:
https://www.dzhw.eu/veranstaltungen/helm - BerO-Studie zu Studienabbrüchen in Deutschland:
https://iab-forum.de/wenn-der-bildungsweg-eine-neue-richtung-nimmt-warum-abiturientinnen-ihr-studium-oder-ihre-ausbildung-abbrechen/ - Entwicklung der Studierendenzahlen in Deutschland: https://hochschuldaten.che.de/deutschland/studierende/